04.03.2010
Die europäische Raumsonde "Mars Express" ist am Mittwochabend wie geplant so nahe wie nie zuvor an dem Marsmond Phobos vorbeigeflogen. Den Berechnungen der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) zufolge hat sich die Sonde dem Mond bis auf 67 Kilometer genähert. Dabei bestand erstmals die Möglichkeit, das Schwerefeld von Phobos zu vermessen.
"Ich bin sehr glücklich, dass alles so gut läuft", sagte ESA-Wissenschaftler Gerhard Schwehm. Der Vorbeiflug der Sonde sei eine großartige Gelegenheit gewesen, mehr über die innere Struktur des Marsmondes herauszufinden. Die Forscher hoffen, anhand der Daten klären zu können, ob es sich bei Phobos wie vermutet um einen eingefangenen Asteroiden handelt.
Da sich Mars Express dem Mond von der Nachtseite näherte, konnte die hochauflösende Stereokamera an Bord der Sonde aber keine Fotos machen. Dies ist erst wieder bei weiteren Vorbeiflügen möglich. Der nächste Vorbeiflug findet am 7. März statt. Dann kommt die Sonde dem kartoffelförmigen, 27 x 22 x 19 Kilometer großen Marsmond allerdings nicht mehr so nahe.
Die Kamera soll bei dem nächsten Vorbeiflug die Tagseite von Phobos aus einer Entfernung von 107 Kilometern fotografieren. Dabei sollen auch Informationen über die geplante Landestelle der russischen "Phobos Grund"-Mission gesammelt werden, die für 2011/2012 geplant ist. Im Rahmen dieser Mission soll eine Raumsonde auf Phobos landen, Proben entnehmen und sie in einer kleinen Rückkehrkapsel zur Erde zu bringen. Die auf dem Marsmond verbleibende Landestation soll zudem über längere Zeit den Mars und Phobos untersuchen.
Mars Express ist 2003 gestartet und wird Phobos insgesamt zwölf Mal passieren. Jedes Mal soll die Sonde unterschiedliche Instrumente einsetzen. Ein Radar analysiert beispielsweise die inneren Strukturen, andere Instrumente tasten die Oberfläche ab. Es wird vermutet, dass es sich bei Phobos um einen eingefangenen Asteroiden handelt. Messungen ergaben allerdings, dass es sich bei Phobos um einen stark porösen und von Hohlräumen durchsetzten Körper handelt. Das passt nicht zum Erscheinungsbild der kohligen Chondriten, die massive und dichte Körper sind.
zusätzliche Infos:
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Mars Express auf Tuchfühlung mit Marsmond Phobos, Bild: ESA