Wie angekündigt hat Google am Donnerstag das hauseigene Betriebssystem Chrome OS vorgestellt. Zugleich wurde der Quellcode veröffentlicht, damit Technologiepartner, die Open-Source-Community und andere Entwickler an der Weiterentwicklung des Betriebssystems mitarbeiten können. Da Chrome OS offen ist, können Dritte eine eigene Version des Betriebssystems entwickeln, dürfen diese aber nicht unter dem Namen von Google vertreiben.
Chrome OS setzt auf den Linux-Kernel auf und soll zunächst auf x86-Prozessoren und später auch auf ARM-Prozessoren laufen. Google will den Fokus zunächst auf "größere Netbooks" legen. Langfristig soll das Betriebssystem auf allen Geräten laufen, vom kleinen Internetgerät bis zum Desktop-PC.
Das Betriebssystem wird in einem Jahr marktreif sein, wie bei der Präsentation in Mountain View erklärt wurde. Erste Chrome-OS-Netbooks sollen für das Weihnachtsgeschäft 2010 im Handel sein. Für sein Betriebssystem konnte Google bereits Partner wie den marktführenden PC-Hersteller Hewlett-Packard und die erfolgreichen Netbook-Hersteller Acer und Asus gewinnen. Google wird den Herstellern Chrome OS kostenlos zur Verfügung stellen. Nutzer werden das Betriebssystem auch herunterladen können, allerdings ist dies laut Google eher etwas für Bastler, da das System genau für den Rechner angepasst werden muss.
Chrome OS soll laut Google-Manager Sundar Pichai vor allem drei Dinge liefern: Geschwindigkeit, Einfachheit und Sicherheit. "Wir wollen, dass es rasend schnell ist und wie ein Fernseher startet", erklärte Pichai. Zur Demonstration führte er ein mit Chrome OS ausgestattetes Netbook vor, das innerhalb von fünf bis sieben Sekunden hochfuhr. Der Systemstart soll künftig noch weiter beschleunigt werden. Zudem werden alle Chrome-OS-Geräte mit schnellen Flashspeichern ausgestattet, auf traditionelle Festplatten wird komplett verzichtet. Google macht für den Einsatz von Chrome OS klare Hardware-Vorgaben.
Die Programme für das Betriebssystem arbeiten als reine Web-Anwendungen. Daten wie Textdokumente oder Videos speichert das System nicht lokal, sondern verschlüsselt auf Googles Servern im Internet. Google verspricht einen hohen Sicherheitsstandard unter anderem dadurch, dass jede Anwendung in einer eigenen geschützten Umgebung läuft. Zudem überprüft Chrome OS bei jedem Neustart des Rechners selbstständig den kompletten Code auf Malware. Bei erkannten Problemen lädt Chrome OS die entsprechenden Komponenten aus dem Internet und repariert sich selbst.
Die Benutzeroberfläche von Chrome OS ist Google-typisch minimal gehalten. Im Grunde läuft der Browser Chrome im Vollbild, der um Anzeigen für den Netzwerkstatus und den Ladestand des Akkus erweitert wurde. Tabs können auch als Dateibrowser genutzt werden.
Mit Chrome OS dringt Google in das Kerngeschäft von Marktführer Microsoft sein, dessen Windows-Betriebssysteme auf mehr als 95 Prozent aller Computer laufen. Der Erfolg von Googles ehrgeizigem Projekt wird unter anderem davon abhängen, ob die Nutzer bereit sind, ihre Anwendungen und Daten der Wolke anzuvertrauen. Auch wird entscheidend sein, wieviele Programme auf dem Betriebssystem laufen werden. Google-CEO Eric Schmidt erwartet, dass Chrome OS eines Tages auf Millionen von Rechnern im Einsatz sein wird.